Theater "Die Käuze" - Die Presse über uns


„Hase und Igel“ in der Kritik

BNN vom 03.12.2013
Mit Witz und Liebe zum Detail
Waldstadt-Theater „Die Käuze" zeigt Kinderstück „Hase und Igel“

Alle Plätze sind belegt und es ist kaum auszumachen, wer nun gespannter ist: Kinder, Eltern oder Großeltern. Als das Licht in dem kleinen Kellertheater in der Waldstadt erlischt, hüllt sich der Raum in Schweigen, die Blicke sind erwartungsvoll auf den Bühnenvorhang gerichtet. Als dieser sich öffnet, tritt ein kleiner Frosch namens Max (gespielt von Niklas Scheen) ins Rampenlicht, der mit seiner charmant natürlichen Art augenblicklich die Herzen der Zuschauer gewinnt. Auf seinem Weg zur Schule begegnet Max dem gutherzigen Mädchen Tina (Isis Merz), auch Schnecke genannt. Beide freunden sich an und nehmen das Publikum mit auf die Reise durch die Geschichte von „Hase und Igel", einem Märchen nach den Brüdern Grimm von Jutta Braun-Wingert, geschrieben für Kinder ab fünf Jahren.

So lernt das Publikum Lehrer Engelbert Hase (Samuel Kuhnle), pardon, Lehrer Dr. Engelbert Hase und seine Nachbarn Familie Igel kennen. Lehrer Hase, der ausdrücklich darauf besteht Dr. Hase genannt zu werden, macht es seinen Schülern nicht leicht. Die freche Igeltochter Fritzi (Sofie Heimich) treibt den selbstverliebten Lehrer mit ihrem Schabernack so auf die Palme, dass Familie Igel und Lehrer Hase in einen Streit geraten. Dabei lässt sich Vater Igel (Dieter Winschiers) zu einem Wettrennen mit Lehrer Hase verleiten. Während Dr. Hase für das Rennen trainiert und davon überzeugt ist zu gewinnen, schmieden Familie Igel, Frosch Max und Schnecke einen gewitzten Plan.

Die Aufführung ist ein heiteres Stück über Zusammenhalt und Freundschaft, üppig ausgestattet mit Witz, Humor und Liebe zum Detail. Der Einsatz der großen und kleinen Darsteller, Regie und Dramaturgie (Larissa Kaufmann) sowie das liebevoll und aufwendig gestaltete Bühnen- und Kostümbild machen es dem Zuschauer leicht, in die Märchenwelt einzutauchen. Hier und da wird auch das Publikum Teil der Inszenierung, besonders dann, wenn die großen und kleinen Zuschauer den Startschuss für das Wettrennen geben. „Hase und Igel“ ist ein rundum unterhaltsamer, gelungener Familienspaß, der den Besuch lohnt.

(Antje Lindner)


„Till Eulenspiegel - Reloaded“ in der Kritik

BNN vom 01.10.2013
Geistreiche Unterhaltung im Theater „Die Käuze“

Jeder kennt die Figur Till Eulenspiegel. In der überlieferten Darstellung mit Narrenkape, Schellen und Spiegel ist er zum Urbild des Schalks, des kecken Auflehners gegen alles Tradierte, des gewitzten Wortumdeuters geworden. Seine Historizität ist nicht gesichert, der Verfasser des um 1510 entstandenen Volksbuches ist nicht sicher festzustellen, und was der Name bedeutet, ist auch nicht eindeutig geklärt. Wunderbare Voraussetzungen, um der Figur ein Leben nach eigenem Geschmack zu geben. So tat es der Regisseur und Autor Pascal Paul-Harang jetzt bei den Käuzen in der Waldstadt.

Zahlreich hatten sich die Zuschauer eingefunden, um an der Premiere von „Till Eulenspiegel - Reloaded“ teilzunehmen. Was sie zu sehen bekamen war ein, von Richard Strauss´ Eulenspiegel-Thema Naseweis angekündigter Reigen aus bekannten Schelmenstreichen des angeblich aus Kneitlingen in Sachsen stammenden Eulenspiegel – so angeordnet, dass sie eine chronologische Ordnung in das Leben brachten. Dazu fand ein ständiger Wechsel der Erzählebenen statt, szenische Geschichten wechselten sich mit Auftreten des Erzählers (Siegfried Roth) ab, der in der Manier der früheren Fernsehserie „Nachtgedanken“ - sogar mit dem die Sendung einleitende Chopin´schen Nocturne – das Gesehene noch einmal kurz erläuterte.

In hellen, Grau- und Weißtönen sind die Schauspieler meist gekleidet. Bis auf den Till (Mathis Harang als Kind und Viktor Müller als Erwachsener), der kommt in feurigem Rot daher. Das zeichnet ihn als aufsässigen aus, als den, der intelligenter ist als der Rest. Gleichzeitig aber kann die Farbe gelesen werden als das Mal des gebrannten Kindes. Denn in einem seiner ersten Streiche wird der kleine Till auf einem Seil über die Saale gehen, und ausgerechnet die Mutter (Daniela Ruck) ist es, die das Seil kappt, während er in der Mitte über dem Fluss ist. Eine Mutter, die ihren Sohn lieber dem Gespött der Leute aussetzt, als dass sie ihn sein lässt wie er ist: ein ungewöhnlicher Mensch. Dieses Trauma durchzieht das Stück, und wird, immer dann, wenn Till aus der Szene Tritt und plötzlich in unsere Zeit hineinreicht, durch eine Radioansage angedeutet. An Regieeinfällen ist das Spiel nicht arm und ein Stück geistreicher Unterhaltung. Wozu auch die Schauspieler, zu viele um sie alle zu erwähnen, beitragen, die mit so viel Eifer und Freude bei der Sache sind, dass man über kleine sprachliche Schnitzer gar nicht mehr nachdenkt. Zur nachdenklichen und gleichzeitig spritzigen Betrachtung ist das Stück bestens geeignet.

(Jens Wehn)


„Ein Schwarzwaldmädel“ in der Kritik

BNN vom 25.09.2012
Kann Liebe bestehen?
Ausverkaufte Premiere vom „Schwarzwaldmädel“ für „Die Käuze“

Kann das gehen? Ein junges hübsches und sympathisches, aber leider ein wenig ungebildetes Mädchen vom Lande und der weltgewandte, belesene Professor aus der Stadt? Kann die Liebe solche Standesunterschiede überbrücken? Mitte des 19. Jahrhunderts nahm sich der Schriftsteller Berthold Auerbach in seinen „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ mit der Erzählung „Die Frau Professorin“ dieses Themas an. Eine Geschichte, die später in einer Operettenfassung und in etlichen Verfilmungen unter dem Namen „Schwarzwaldmädel“ berühmt wurde.

In dieser Saison steht das „Schwarzwaldmädel“ auch auf dem Spielplan des Karlsruher Amateurtheaters „Die Käuze“. An Samstag fand vor ausverkauftem Haus die Premiere statt. Regisseur und Autor Pascal Paul-Harang stützte sich in seiner Inszenierung auf die ursprüngliche Fassung von Berthold Auerbach. Lorle (Lisa Hähnel), lebt als Tochter des Lindenwirts (Dieter Winschiers) in einem kleinen Dorf im Schwarzwald. Das hübsche Mädchen wird von jungen Männern aus dem Dorf umworben, doch ihr Herz gehört dem Maler Reinhard (Thorsten Feldmann). Als dieser nach zwei Jahren zurückkommt, verliebt auch er sich in Lorle. Die beiden heiraten und ziehen in die Residenzstadt Karlsruhe.

Dort fangen die prophezeiten Probleme an: Lorles mütterliche Freundin Bärbel (Brigitte Schucker) hatte vorhergesagt dass die beiden zu unterschiedlich seien, um miteinander leben zu können. Reinhard, der Karriere macht, trifft auf seine Jungendliebe, die Gräfin Mathilde (Larissa Kaufmann). Sie hatte ihn einst verschmäht, weil er unter ihrem Stand war. Er beginnt in seiner Liebe zu Lorle zu schwanken. Diese ist unglücklich in der großen Stadt und hat Heimweh. Doch, wie schon in der ersten Bühnenfassung von 1847, gibt es auch im „Schwarzwaldmädel“ der „Käuze“ ein Happy End.

Mit viel Applaus des Premierenpublikums wurde vor allem die erfrischende Darstellung der Lorle durch Lisa Hähnel bedacht. Sie trug auch bekannte Melodien wie „Muss i denn, muss i denn“ oder „Morgen muss ich fort von hier“ sehr gekonnt vor. Aber auch Brigitte Schucker, als altersweise und mit Bauernschläue ausgestattete Bärbel, und Larissa Kaufmann, als die edle Gräfin, die sich ihrer Rolle als Adlige bewusst ist, überzeugten.

(Martina Erhard)


„Schneewittchen und die sieben Zwerge“ in der Kritik

BNN vom 29.11.2011
Eine Menge leuchtender Kinderaugen
Das Theater „Die Käuze“ begeistert
mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge“

Wer zur Weihnachtszeit ein klassisches Märchenabenteuer für seine Kinder sucht, der ist mit „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ bestens beraten. Dem Theater „Die Käuze“ gelang unter der Regie von Larissa Kaufmann mit dem Grimm´schen Märchen in der Bühnenfassung von Jutta Braun-Wingert eine wahrlich märchenhafte Inszenierung. Eine Inszenierung, die für eine Menge leuchtender Kinderaugen sorgte. Mit viel Fantasie und einer ausgeprägten Liebe zum Detail sorgte schon das Bühnenbild, mit dem Haus der Zwerge, dem Wald, in dem Hase und Fuchs (rührend gespielt von Evelyn Wiegel und Charlotte Schneider) herumtollen, dem Bergwerk und dem Spiegel der bösen Königin für spannungsvolle Erwartung bei kleinem und großem Publikum. Eine Erwartung, welche die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler der Käuze nicht enttäuschten.

Luisa Cichosch als Schneewittchen beherrschte die Kunst des theatralisch-eleganten Zu-Boden-Sinkens ebenso überzeugend, wie ihr Widerpart, Sabine Kaufmann als böse Königin, die nötige Rachsucht und Giftigkeit über die Rampe brachte. Aber alles wäre natürlich nichts ohne die sieben Zwerge, die tagsüber im Bergwerk schuften und die dem verfolgten Schneewittchen in seiner Not Unterschlupf und Schutz gewähren. Und Zwerg Dussel, mit komödiantischem Impetus gegeben von Rebekka Schlenker, ist auch bereit, sich mit Leib und Leben für Schneewittchen einzusetzen. Schließlich kann er ja boxen und treten und rennen, wie er es dem Prinzen Dorian, dargestellt von Samuel Kühnle, mit Verve entgegenschleudert. Doch um die böse Königin, die immerhin drei Mordanschläge gegen Schneewittchen ausübt, zu besiegen, braucht´s schon mehr als zu boxen, zu treten und zu rennen. Ein Ersatzzwerg muss her, den man sich kurzerhand aus dem Publikum ausleiht und mit dessen hilfreicher Unterstützung es gelingt, die böse Königin zu besiegen. Mit großer Freude am Spielen bei den Darstellern und einer sorgfältigen Arbeit von Regie, Bühnenbild und Musik entführte die Inszenierung für anderthalb Stunden aus dem Alltag. Das Publikum bedankte sich mit einem langen Applaus bei den Darstellern. Sie hatten ihre Sache gut gemacht.

(Jens Wehn)


„Von morgens bis mitternachts“ in der Kritik

BNN vom 19.04.2011
Zeitlose Gesellschaftskritik
„Die Käuze“ zeigen „Von morgens bis mitternachts“

In seiner Thematik ist das Werk von Georg Kaiser zeitlos. „Von morgens bis mitternachts“ passte als expressionistischer Stummfilm von Karlheinz Martin in die 1920er Jahre genauso wie als Theaterstück in die heutige Zeit. Die Macht des Geldes zu nutzen, um aus der Macht der Gewohnheit, dem Alltäglichen, dem immer Wiederkehrenden zu entfliehen, ist ein bewährtes Prinzip. Geld schafft Möglichkeiten, öffnet Türen und beschleunigt das ewige Streben nach Glück – meint man.

Ein Trugschluss, wie der Kassierer in Georg Kaisers Bühnenstück binnen 24 Stunden erfahren muss. Als einfacher Bankangestellter entnimmt er 600 000 Mark aus der Kasse und will damit einer reichen, glamourösen Kundin imponieren. Als diese ihn abblitzen lässt, kehrt er zurück nach Hause zu seiner Familie. Doch abgeschreckt von Eintönigkeit, Routine und Langeweile seiner familiären Verhältnisse verlässt er sein bisheriges Leben und begibt sich, mitsamt Beute, auf die Suche nach dem wahren Glück: Auf einem Fahrrad-Sechstagerennen, stiftet er eine exorbitante Preissumme und ergötzt sich an den ausufernden Reaktionen des Publikums, in einem Tanzlokal gehen die erotischen Fantasien mit ihm durch. Doch enttäuscht über das Ausbleiben des vollkommenen Glücksgefühls versinkt der Dieb in eine tiefe Sinnkrise, die im Tod endet.

Das Ensemble des Theaters „Die Käuze“ brachte nun diese alte und doch zeitresistente Gesellschaftskritik auf die Bühne. Am Premierenabend überzeugte die leicht gekürzte Inszenierung von Regisseur Pascal Paul-Harang mit einem engagierten und ausdruckstarken Henric Bewerunge als Kassierer das Publikum. Bewerunge zeigte mitreißend und stimmgewaltig den inneren Konflikt des Geldzählers, der in bitterer Selbstanalyse seine Situation zusammenfasste: „Morgens noch ein Angestellter, mittags schon ein Halunke!“

In den ersten Szenen lag eine gewisse, äußerst sympathische Premierennervosität in der Luft, die aber schnell der ungeheuren Spielfreude Platz machte und die Qualität des kleinen Theaters erneut unterstrich. Die Würze der kaiser’schen Satire traf auf die richtigen Interpreten. Im Setting der frühen 1950er Jahre funtionierte das Werk fast besser als im Zwischenkriegs-Deutschland um 1920. Das wieder erwachsende Selbstbewusstsein der jungen Bundesrepublik bei gleichzeitiger Spieß- und Kleinbürgerlichkeit bildete einen perfekten Rahmen für den Ausbruchsversuch des gelangweilten Kassierers. Paul-Harangs Interpretation der Tragikomödie enthielt im Sinne ihres Schöpfers Humor und Ernst zugleich. Für die Zuschauer gab es neben Pessimismus und schwarzem Humor eine Erkenntnis, die an anderer Stelle schon Albert Einstein formulieren konnte: „Die besten Dinge im Leben sind eben nicht die, die man für Geld bekommt.“

(Torben Halama)


"Dornröschen" in der Kritik

BNN vom 29.11.2010
Würze aus der Küche

„Wieso gibt es ein Geheimnis und alle wissen davon?“, fragt sich Dornröschen, die mit dem König und der Königin im großen Schloss wohnt. „Ich bin die Einzige, die nichts weiß und das ist unfair.“ Eine Beschwerde, die es auf den Kopf trifft. Hätte die junge Prinzessin schließlich gewusst, dass sie bei ihrer Taufe dazu verflucht wurde, sich an ihrem 15. Geburtstag an einer Spindel zu stechen und 100 Jahre zu schlafen, hätte sich die ganze Geschichte vielleicht ganz anders entwickelt. So aber haben die Eltern zeit ihres Lebens Spinnräder sowie die Wörter „Spindel“ und „spinnen“ im ganzen Königreich verboten – doch der Fluch nimmt seinen Lauf.

Im Theater „Die Käuze“ feierte „Dornröschen“ jetzt in der Regie von Larissa Kaufmann Premiere. Im Stück schreibt man den Abend vor dem Prinzessinnen-Geburtstag und das Schloss ist in heller Aufregung, wurde im Garten des Schlosses doch die böse Fee (Anna-Sophia Nübling) mit einem Spinnrad gesehen. König („Dauer-Kauz“ Henric Bewerunge in seiner 1 000. Bühnenaufführung), Königin (Marina Wetterauer) und der ganze Hofstaat rennen wie wild über das Anwesen, doch vermögen es nicht, sie einzufangen. Dornröschen (Luisa Chichosch) langweilt sich inzwischen – so ist es kein Wunder, dass sie schließlich in der Falle der bösen und ganz schön unheimlichen Fee tappt, die sie mit ihrem verhexten Spinnrad auf dem Schlossturm erwartet.

Die heimliche Hauptrolle in dem 90-minütigen Stück ab fünf Jahren spielen der Koch (Thorsten Feldmann), die Magd Tine (Susanne Bettels) und die frechen Küchenkinder (Nicole Brecic, Sophie-Marie Rudolph, Esra Ippolito, Vanessa Schmidt, Carolin Quast und Johannes Eckert). Auf der liebevoll und detailreich gestalteten Bühne sind sie es, die in ihren hübschen Küchenkostümen mit den übertrieben großen weißen Kochhüten den Spaß und die Dynamik ins Spiel bringen. Die kleinen Zuschauer freuten sich jedenfalls ungemein, dass auch das Küchenpersonal aufwacht, als nach 100 Jahren der Prinz (Nicolas Foltin) kommt und das Dornröschen endlich wieder wachküsst.

(Martha Giemza)


"Tintenherz" in der Kritik

BNN vom 22.06.2010
Das Buch wird zur Bühne.
Theater „Die Käuze“ in der Waldstadt zeigt „Tintenherz“ nach Cornelia Funke

Als sich Robert Koall mit Cornelia Funkes Roman „Tintenherz“ beschäftigte, empfand er schon nach kurzer Zeit, „dass die Figuren aus dem Buch raus wollen – auf die Theaterbühne.“

Am Theater „Die Käuze“ hat Regisseurin Larissa Kaufmann jetzt mit der Premiere von Koalls Bearbeitung des Bestsellers gezeigt, dass Theater in das Medium Buch quasi „hineinzuschlüpfen“ vermag. Angefangen bei der Kulisse, die so einfach wie genial ist. „Unsere Herausforderung war es, den Inhalt des Bestsellers so zu raffen, dass die Handlung dennoch transparent wird“, so die Regisseurin. Herausgekommen sind 14 Szenen, von denen die meisten einen Ortswechsel bergen – 14 Szenen in 90 Minuten Spielzeit.

Mithilfe eines Kniffs gelingt den Käuzen dieses Tempo: Auf der weißen, ohne Requisiten ausgestatteten Bühne ist im Hintergrund ein riesiges aufgeschlagenes Buch zu sehen. Wenn die Szene wechselt, blättert eine Figur die Seite um und schon befindet sich der Zuschauer in einer anderen Welt. Vom Wohnhaus von Mo (Henric Bewerunge) und Meggie, die von Nicole Brecic bravourös gespielt wird, über das Verlies im Gefängnis des Bösewichts Capricorn (Mariana Wetterauer) bis hin zur Gebirgshöhe, in die sich Staubfinger (Thorsten Feldmann) und seine Mitstreiter flüchten, ist alles möglich. Das Buch ist nicht nur äußerlich als Kulisse, sondern auch in der Handlung stets präsent. Viel lesen Meggie und ihr Vater Mo aus dem geheimnisvollen „Tintenherz“-Buch vor, dessen Figuren und ihre Schicksale plötzlich Wirklichkeit werden. Um die Bösewichte zu vertreiben, gibt es nur eine Lösung: Die Geschichte muss umgeschrieben werden. Und so kommt sogar der Autor als Figur auf die Bühne. Vielseitiger kann das Thema Buch auf der Bühne nicht dargestellt werden.

Das junge Publikum erkennt Passagen aus Funkes Roman sofort wieder, weil dieser aus dem Off durch eine Erzählerstimme teilweise zitiert wird. So erleichtert Koall die Identifikation. Erfrischend sind die kecken Dialoge zwischen Basta (Manfred Ernst) und Flachnase (Samuel Kuhnle), die Diener des dunklen Herrscher Capricorn. Durch den Größenunterschied der Figuren ergab sich schon rein visuell ein amüsantes Bild. Auch Tante Elinor ist von Katja Kaupert überzeugend dargestellt, die sich allen Bedrohungen mutig in den Weg stellt. Ein gelungenes Stück, das Groß und Klein in den Bann zieht.

(Anna Ringle-Brändli)


"Tischlein deck dich" in der Kritik

BNN vom 30.11.2009
Das Huhn will Hofhund sein
Mit witzigen Details: "Käuze" zeigen "Tischlein deck dich"

Wirtin Eulalia Großmut zur Nachbarin zu haben, ist der blanke Horror. Neugierig linst sie aus dem Fenster und steckt ihre Nase in alles, was um sie herum geschieht. Schlimmer noch als die lästigen Angewohnheiten aber sind ihre Charakterzüge: Neid und Raffgier bestimmen ihr Denken und Handeln. Mit der Figur der Frau Großmut, die so gar nicht ihrem Namen entspricht, schafft Autorin Jutta Braun-Wingert den idealen Bösewicht in ihrem Stück "Tischlein deck dich", das an das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm angelehnt ist. Im Theater "Die Käuze" in der Waldstadt ist die Geschichte um den armen Schneider Jeremias Nadelstich, der seine drei Kinder aus dem Haus jagt, weil sie die Ziege angeblich nicht gefüttert haben sollen, klug auf ein junges Publikum zugeschnitten. Stets sind die Kinder in die Handlung eingebunden und bringen an der entscheidenden Stelle die Wende zum Guten: Mit Geschrei entlarven sie die Wirtin, die die Ziege zum Lügen überredet hat und den Schneidersöhnen bei ihrer Heimkehr Zaubertischlein und Goldesel stiehlt, um den Ruin der Familie voranzutreiben.

Neben dem Volksmärchen finden Parallelhandlungen statt, die verschiedene Perspektiven auf das Geschehen zulassen. So eine mit witzigen Dialogen ausgestattete Liebesgeschichte zwischen Hahn Eduard und einem Hühnchen, das für den Schneider jeden Tag ein Ei legt und zum Gegenspieler der bösen Wirtin wird: „Wenn ich nur ein Hofhund wäre, dann würde ich ihr in die Waden zwicken“, ruft es sich aufplusternd. Nicht zuletzt besticht das Stück durch das Bühnenbild. Auf engstem Raum ist eine alte Schneiderwerkstatt und das Leben einer vergangenen Zeit dargestellt.

Kleine Details, wie gusseiserne Schilder an den Türen, eine alte Nähmaschine oder gehäkelte Gardinen lassen einen in diese Welt eintauchen. „Wir wollen Märchen in ihrer Zeit spielen lassen und ihnen kein modernes Bühnenbild aufstülpen. So kommt zugleich der alte Charakter zum Vorschein“, erläuterte Regisseurin Larissa Kaufmann.

(Anna Ringle-Brändli)


"Die Hochmütigen" in der Kritik

BNN vom 28.08.2009
Hauptsache Haltung
"Die Käuze" brachten "Die Hochmütigen" heraus

Don Ranudo und Donna Olympia nennen es Stolz. Die anderen nennen es Hochmut. Und Hochmut kommt vor dem Fall, heißt es. Aber Don Ranudo und Donna Olympia bleiben stocksteif stehen. Setzen können sie sich nicht. Der Gerichtsvollzieher hat alle Möbel mitgenommen. Ebenso die Kleider er stammbaumstolzen Adligen. Notdürftig haben sie sich in zerschlissene Bett- und Tischwäsche gehüllt. Die Strümpfe sind löchrig, die Mägen sind leer. Aber was macht das schon? „Unser Name dagegen leuchtet…“ Hauptsache Haltung bewahren – das ist das Lebensprinzip das "Die Hochmütigen" vertreten. Am Theater "Die Käuze" in der Karlsruher Waldstadt hat Pascal Paul-Harang das Stück von Ludwig Bender nach "Don Ranudo de Collibrados" (1754) von Ludwig Holberg als ein Spiel der Haltungen und Gesten inszeniert. Commedia dell´Arte in ihrer theatralischsten Form. Henric Bewerunge und Meike Corneli als Don Ranudo und Donna Olympia übertreffen einander in ihrer Überheblichkeit. Er übt sich im zornigen Hochfahren; sie pflegt Blasiertheit.

Ihrer Vornehmheit ordnen die beiden alles andere unter. Dass ihre Tochter Teresa (Diana Paukner) den vermögenden aber aus nur niederem Adel stammenden Gonzalo (Thorsten Feldmann) liebt, stellt für sie ein größeres Problem dar als die Tatsache, dass sie selbst verarmt und überschuldet sind. Weil sie ihren Bediensteten Pedro (Martin Klecker) und Serafina (Mariana Wetterauer) keinen Lohn mehr bezahlen können, müssen sie sich gefallen lassen, dass diese ihnen die Wahrheit ins Gesicht sagen. Und weil ihr langer Stammbaum sie nicht ernährt, sind sie gezwungen, einem Bauern (Norbert Wingender) seine bescheidene Mahlzeit aus Käse und Brot abzuluchsen. So viel Sturheit ist nur mit List beizukommen. Gonzalos Schwester Isabella (Larissa Kaufmann) heckt einen Plan aus, den sie mit Hilfe des frechen Dienerpaares und des Notars (Thomas Hein) verwirklicht. So kommen Teresa und Gonzalo doch noch zusammen. Weil aber der inkognito angereiste Prinz von Andalusien (Brigitte Schucker) Isabella zu seiner Frau erwählt, steigt Gonzalo zum Schwager eines Prinzen auf.

Ist er damit vornehm genug, um von Don Ranudo und Donna Olympia als Schwiegersohn anerkannt zu werden? Das müssen die beiden sich noch überlegen – und ihre Genealogie zu Rate ziehen. Die anderen gehen unterdessen zum Feiern ins nahe gelegene Gasthaus.


"Der Teddy und die Tiere" in der Kritik

BNN vom 23.06.2009
Teddy will es wissen
Premiere bei den "Käuzen"

Jeder hat auf diese Frage eine andere Antwort, aber keine stellt den armen lieben Teddy zufrieden. Wozu bist auf der Welt, will er von den anderen Tieren wissen, die ihm begegnen. „Fleißig sein, Honig sammeln“ summen die Bienen und rascheln dabei unaufhörlich mit ihren feinen Flügeln aus transparenten Stoffen.

In wunderschönen Kostümen trippeln, surren, schlängeln oder trampeln nacheinander die vielen jungen Darsteller (im Alter von acht bis 15 Jahren) auf die Bühne des Kellertheaters "Die Käuze" in der Karlsruher Waldstadt.
Vor allem die Affen bereiten den Zuschauern bei der Premiere des munteren Kinderstücks "Der Teddy und die Tiere" nach einer Geschichte des 1995 verstorbenen, so überaus beliebten Schriftstellers Michael Ende viel Spaß: wie sie umeinanderhüpfen, an Seilen schwingen, sich lausen und auch mal den Po gegenseitig versohlen oder mit halben Kokosnüssen einen flotten rapartigen Tanz in rotem Ganzkörperkostüm hinlegen – das ergötzt Groß wie Klein.

Und wozu sind die Affen da? Das weiß der Oberaffe natürlich ganz genau: um irgendetwas zu gründen – eine Familie, ein Komitee, einen Verein oder Ähnliches. Aber auch dieser Lebensgrund behagt dem kleinen Teddy nicht, also sucht er weiter, streift vorbei an Wiesen, Wäldern, Seen, was mit Projektionen auf einer großen Leinwand atmosphärisch nachgestellt wird. Der Schwan sieht den Sinn darin, einfach schön zu sein und pludert sein märchenhaft schneeweiß gefedertes Kostüm. Das freche Huhn streckt schelmisch den Allerwertesten raus; auf der Welt ist es, um eierförmige Eier zu legen, was sonst?

Mit einer den Tieren erstaunlich gut nach empfundenen Gestik gelingt es allen Jungkäuzen diese liebenswerte Geschichte anrührend darzustellen. Larissa Kaufmann inszeniert die Frage nach dem Lebenszweck als prächtigen Sinnesschmaus mit zarter Musik und fantasievollen Kostümen. Zu Anfang wird auch ein bisschen ins Theatergeschft eingeführt und spielerisch erklärt, was Technik oder Schauspieler eigentlich so machen. Nach kurzweiligen 30 Minuten hat Teddy die Lösung: ihn git es, damit er für jemanden da sein kann, der ihn braucht. Na, wenn das nicht der schönste Sinn des Lebens ist... (Ute Bauermeister)


"Jedermann 2009" in der Kritik

BNN vom 25.05.2009
Und stetig verrinnt die Zeit
Sehenswerte Inszenierung: "Jedermann 2009" im Theater "Die Käuze"

„Damit ist kein Blumentopf zu gewinnen.“ Das ist so eine Redensart, die man gerne im Munde führt, um bildlich auszudrücken, dass sich eine Anstrengung nicht lohnt, dass man keinen angemessenen Gegenwert dafür erhält.
Das Theater "Die Käuze" hat bei seiner Version der alten Geschichte vom "Jedermann" diese Redensart gegen den Strich gebürstet. Es gibt einen Blumentopf zu gewinnen für den, der errät, was es mit der mysteriösen Dame (Martina Kaufmann) auf sich hat, die in Rätseln spricht und die Familie von Direktor Ferdinand Grotius (Henric Bewerunge) hineinzieht in das Spiel vom Jedermann, das sie sich eigentlich bequem vom Zuschauersaal aus ansehen wollte.

Es ist nicht schwer zu erraten, dass es sich bei der Dame um die Verkörperung der Zeit handelt. Direktor Grotius aber hat weder Zeit noch Lust, sich auf solche Spielchen einzulassen, noch hat er Zeit für seine Familie oder für seine Mitarbeiter. "Jedermannn 2009" ist Spiel im Spiel, mal komisch, mal tragisch, mal doppelbödig, mal simpel, raffiniert und zugleich naiv. In eine knappe Stunde Spieldauer haben die Käuze jede Menge an Inhalt und Darstellungsformen gepackt.

Zwischen der Szene, in der Grotius' Sohn zusammen mt seiner Mutter (Ingrid Köhler) uns seiner Schwester (Anna-Sophia Nübling), angeleitet von einem Regisseur (Markus Kern), eine häusliche Frühstücksszene nachstellt, bei der der Herr des Hauses schon wieder mal auf dem Sprung und kaum ansprechbar ist, und Direktor Grotius' Begegnung mit der drallen Dame Mammon im Glitzergewand (Katja Kaupert), die ihm in altertümelnden gereimten Versen seine Geldversessenheit vorhält, liegen Welten und mehrere Sprachebenen.
Da kommt er dann doch durch der hohe Ton der berühmten "Jedermann"-Interpretation von Hugo von Hofmannsthal. Erbaulich wird es auch, wenn das Gleichnis vom reichen Kornbauern aus dem Lukas-Evangelium bemüht wird, um Direktor Grotius die Sinnlosigkeit seines geschäftigen Treibens vor Augen zu halten.
Eindrucksvoll ist es, wenn der Tod als Totenkopf vom Licht aus dem Bühnendunkel herausmodelliert über der Szenerie schwebt oder sich die klassische Jedermann-Figur (Thomas Hein im Wechsel mit Clemens Ratzel) unsichtbar aus der hinteren Reihe des Zuschauerraums in wohlgesetzten Versen zu Wort meldet.

Etwas zu rührselig gerät hingegen die Szene mit dem entlassenen Arbeiter Schröter (Wolfgang Schum), der vergebens beim Direktor um Gehör bittet. Insgesamt aber ist die Inszenierung von Thomas Kaufmann mit ihren schlichten, aber wirkungsvollen szenischen Mitteln und einer guten Ensemble-Leistung sehens- und nachdenkenswert - alles andere als Zeitverschwendung und weit mehr als nur einen Blumentopf wert. (Peter Kohl)


Kinder- und Jugendtheaterpreis 2008

Mit dem "kleinen Rübezahl" hat das Theater den Kinder- und Jugendtheaterpreis 2008 gewonnen.

"...Das Kulturamt freut sich, den Preis auch in der laufenden Spielzeit zu vergeben. Ausgezeichnet wurden im Bereich Kindertheater die Produktion "Der kleine Rübezahl" des Theaters "Die Käuze" sowie im Bereich Jugendtheater die Produktion "Egohelden" von Werkraum Karlsruhe.
An dem von Larissa Kaufmann inszenierten Märchenspiel "Der kleine Rübezahl" gefiel der Jury die liebevolle, detailgenaue und aufwendige Ausstattung und die ruhige Darstellungsweise, von der sich die kleinen Zuschauer spürbar angesprochen fühlten.
Für "Egohelden" hatte der Theaterpädagoge und Dramadozent Rob Doornbos in Jugendtreffs, Discos und Schulen recherchiert und daraus ein der Lebenswelt der Jugendlichen entnommenes Stück zum Thema Homosexualität geschrieben."
(Stadtzeitung)


"Der kleine Rübezahl" in der Kritik

BNN vom 03.12.2008
Viel Spaß und tolle Effekte
"Der kleine Rübezahl" hatte bei den "Käuzen" Premiere

Es donnert! Es blitzt! Nebel steigt auf! Und plötzlich steht da ein von einer Ziege gezogenes Schuhmobil - ja, ein Auto, das aus einem riesigen Schuh gemacht ist - mitten im Wald. Darin sitzt der kleine Rübezahl. Klein, weil er erstens nur der Enkel des Riesen Rübezahl aus dem Riesengebirge ist und zweitens weil er es nun mal ist. Rübezahl ist erschienen, weil Kaspar und Bärbel nach ihm gerufen haben. Die beiden sind auf der Suche nach der magischen Springwurzel.

Mit viel Spaß und tollen Effekten wurde am Samstag im Theater "Die Käuze" die Premiere von "Der kleine Rübezahl", einem Märchenspiel von Jörg von Liebenfelß gezeigt. Die grundgute Bärbel (Sarah Eckert); der nie stillstehende Kaspar (Thorsten Feldmann); die fiese Ilse, schön hysterisch gespielt von Susanne Bettels; der kleine Rübezahl (Manfred Ernst) und der ganz großartig eklig und eingebildet gezeichnete Zacharias Beiß (Siegfried Roth) waren die Hauptpersonen eines aufregenden Märchens, das vor allem die anwesenden Kinder durchweg an ihre Sitze fesselte.

Eigentlich wollte Carl Kaufmann, der Anfang September verstorbene Leiter des Theaters das Stück noch selbst inszenieren. Nun übernahm seine Tochter Larissa Kaufmann die Regie und das mit großem Erfolg. Neben den schön agierenden Hauptfiguren, ließ sie während der Szenenwechsel auch noch ein paar Tiere über die Bühne tanzen. Diese war selbst mehr als sehenswert - die fleißigen Mitarbeiter des Theaters haben in liebevoller Kleinarbeit den unheimlichen Wald und neben der Bühne detailgenau einen kleinen Ort mit Fachwerk, Pflanzen, Schildern und Brunnen aufgebaut.

Und so war es auch kein Wunder, dass der Applaus zum Schluss von genauso frenetischem Fußstampfen begleitet war. Der kleine Rübezahl läuft noch bis zum 23. Dezember und dann ab dem 10. Januar wieder donnerstags, samstags und sonntags um 16 Uhr. Karten gibt es unter info@Kaeuze-Theater.de. (mag)


"Ein Sommernachtstraum" in der Kritik

BNN vom 30.09.2008
Mit Liebe und Spielspaß
Die Käuze spielen den "Sommernachtstraum"

Mit Zauberwäldern ist es wie mit anderen Schwierigkeiten: Man kommt leichter rein als raus. Vor allem, wenn man Helfer wie einen "Koboldanwärter unterer Stufe" hat. Zu allem fähig, zu nichts in der Lage. Nicht mal zaubern kann Puck. Aber hilfsbereit ist er und er hat den schwarzen Gurt im Verschlimmbessern. Genau der Richtige also, um komplizierte Liebesgeschichten in Ordnung zu bringen ... 1595 schrieb William Shakespeare den "Sommernachtstraum", ein Spiel um Feen, Waldgeister, Liebe und Verwechslung. 1600 uraufgeführt, ist der "Sommernachtstraum" nicht nur eines der meistgespielten Stücke von Shakespeare, sondern auch ein Klassiker für Schul- und Laientheater-Inszenierungen. Jetzt haben sich "Die Käuze" des Stückes angenommen. In der Bearbeitung von Stefan Schroeder hatte es jetzt im Karlsruher Kellertheater seine gelungene Premiere.

Schroeder, Theaterwissenschaftler, Anglizist und Germanist, begründete die Würfelbühne Junges Theater Hagen e. V. mit, arbeitet als Regisseur, Dramaturg und Darsteller im Ruhrgebiet und ist seit 2005 freier Autor. Er schreibt viele Stücke für Kinder- und Jugendtheater. Dem Sommernachtstraum verpasste Schroeder eine verständliche Sprache, die das Stück auch für Shakespeare-Einsteiger und Jugendliche leicht zugänglich macht.

Prinzessin Hermia soll Demetrius heiraten, Hermia aber liebt Lysander. Hermias Schwester Helena liebt Demetrius. Und Demetrius? Der liebt Hermia. Hermia und Lysander beschließen, in den Wald zu fliehen. Dort haben der König und die Königin der Waldgeister gerade eine kleine Ehekrise, die der König mit Hilfe seines Koboldes Puck und einer Zauberblume zu beheben sucht. Wenn ein Schlafender den Blütenstaub dieser Blume einatmet, verliebt er sich in das erste Wesen, das er sieht. Mit viel Liebe, Detailfreude und Spielspaß haben sich die Käuze — zunächst noch unter der Regie des jüngst verstorbenen Theaterleiters Carl Kaufmann, dann unter der Leitung der Kammertheater-Chefin Heidi Vogel-Reinsch — des "Sommernachtstraums" angenommen. Und schon das bezaubernde Bühnenbild (Sabine Kaufmann, Musik: Thomas Kaufmann) zieht den Zuschauer unweigerlich hinein in die Wirren des Zauberwaldes. Larissa Kaufmann gibt einen herrlich aufgeregt-unsicheren Puck mit sehenswerter Gestik und Mimik, Anna-Sophia Nübling eine in jeder Szene überzeugende Hermia.

Markus Kern brilliert als täppisch-feiger Demetrius, Thorsten Feldmann verkörpert stimmig den Stallknecht Lysander, Diana Paukner die Helena, und Martin Klecker darf als Hasenfuß und Esel sein komödiantisches Talent ausleben, bedrängt von der Königin der Waldgeister (Katja Kaupert). Henric Bewerunge schließlich ist ein schön schrulliger König der Waldgeister, Thomas Hein sein königliches Pendant. Ein Dankeschön an das ganze Ensemble für einen beschwingten Theaterabend. (Ute Eppinger)


"Aladin und die Wunderlampe" in der Kritik

BNN vom 03.12.2007
"Käuze" bieten bezaubernden "Aladin"

Goldene Dächer, verwinkelte Palastmauern - das Theater „Die Käuze“ hat jetzt den Orient in seine Räume in der Waldstadt gezaubert. Große und kleine Besucher werden schon beim Betreten des kleinen Kellertheaters durch die prachtvollen Vorbühnenaufbauten in die Altstadt Bagdads versetzt, der Kulisse des diesjährigen Weihnachtsmärchens "Aladin und die Wunderlampe".

Der vaterlose Aladin verbringt seine Zeit damit, auf den Märkten herumzustreunen. Ein Unbekannter taucht auf, gibt sich als sein Onkel aus und verspricht ihm Erfolg, wenn er ihm folge. Dass es sich bei diesem Mann um einen machtbesessenen Zauberer handelt, der den Jungen lediglich benutzen will, damit dieser ihm eine wundersame Lampe aus dem Gewölbe holt, kann Aladin nicht wissen. Doch dann entdeckt Aladin die Zauber- kräfte der Lampe und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Nach einer Bearbeitung von Hans Thoenies hat Carl Kaufmann die Handlung schwungvoll in Szene gesetzt. Die Zuschauer in den ausverkauften Reihen fiebern mit dem von Markus Kern überzeugend dargestellten Aladin, der mit Hilfe seines unerschütterlichen Optimismus und etwas magischer Unterstützung alles erreichen kann.

Bei seiner Werbung um die schöne Prinzessin (Larissa Kaufmann) muss er einige Gegenspieler überwinden. Glücklicherweise hat Aladin bei dieser Mission auch einen angemessenen Helfer – mit viel Nebel und blitzendem Schein erscheint beizeiten der kleine, aber ziemlich mächtige Geist (Johannes Eckert), um ihm unter die Arme zu greifen. Neben der durchweg guten Leistung der großen und kleinen Schauspieler machen fantastische Bühnenaufbauten, wunderschöne Kostüme (Sabine Kaufmann), und eine origineller Inszenierung mit Witz und überraschenden Einlagen den Besuch sowohl für Kinder als auch für Erwachsene zu einem ganz besonderen Ausflug in die orientalische Märchenwelt. Zauberhafter hätte auch Scheherazade die Geschichte nicht erzählen können. (Swenja Zaremba)


"Eine flotte Bühne mit dem Herzensblick für das Wesentliche"

BNN vom 29.10.2007
Das Kellertheater "Die Käuze" feiert sein 40-jähriges Bestehen / Ehre für den Gründer Carl Kaufmann

Er fühle sich ein wenig wie eine kleine Schraube im großen Schiff der Kultur, meinte Carl Kaufmann. Doch auf die kleinen kommt es an. Manch festes Gebilde droht zu bersten, sobald sich eine kleine Schraube lockert. Vor 40 Jahren gründete Kaufmann in der Waldstadt das Kellertheater "Die Käuze". 152 Inszenierungen brachte die engagierte, ehrenamtliche Truppe auf die kleine Bühne; über 300 000 Besucher erfreuten sich an der Programmvielfalt.

In einer Matinee feierten die Ensemblemitglieder gemeinsam mit Gästen das runde Jubiläum. Einige Darsteller erinnerten sich in flotten Reimen an große Momente aus Komödien, Krimis oder absurden Stücken, aber auch an kleine Pannen, wie diese, als der Tod einmal seinen Auftritt vergaß, weil er in der Garderobe angeregt plauderte.

Manch Verwechslung überspielte man in den Jahren galant mit Witz und Charme. Von Anfang an wurde auch dem Kinder- und Jugendtheater viel Aufmerksamkeit geschenkt. Zwei Ausschnitte aus zahlreichen Produktionen belegten die musikalische Poesie dieser kindgerechten Inszenierungen. "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", diese Lektion aus Saint-Exupérys "Kleinem Prinzen" haben die Theatermacher verinnerlicht.

Neue Wege bestreiten die jugendlichen Käuze, sie wagen sich an "Schwarzes Theater" und zeigten eine eindrucksvolle Szene aus der "Hexenküche" mit schwebenden Kochlöffeln und tanzenden Stäben.

Warmen, nicht enden wollenden Beifall erhielt Carl Kaufmann, der in ergreifenden Worten seine Arbeit resümierte und sich bei den Anwesenden sowohl für materielle als auch ideelle Unterstützung bedankte. Doch der ehemalige Profisportler, der sich eine olympische Silbermedaille ersprintete, äußerte auch Bedenken, was die Zukunft der Käuze betrifft. Der Hausherr plädierte für faires Miteinander. Bürgermeister Ullrich –Eidenmüller würdigte Kaufmann als die Seele des Stadtteils und hob den identitätsstiftenden Charakter des Kellertheaters hervor.

Achim Thorwald, Generalintendant des Badischen Staatstheaters, verbeugte sich vor der Lebensleistung seines Freundes "Charly" und erinnerte in sehr persönlichen Worten an die vielen Gemeinsamkeiten. Auch Rolf Wenhardt, Präsident des Landesverbandes Baden-Württemberg, lobte sowohl Qualität wie Vielfalt der Käuze, bevor Hubert Keller, Bürgervereinsvorsitzender der Waldstadt, eine Laudatio auf den 1936 in New York geborenen, ausgebildeten Tenor und Vollbluttheatermenschen Kaufmann hielt.

Sichtlich gerührt nahm der 71-Jährige alle Glückwünsche entgegen und freute sich über den kleinen "Ehrenkauz", den man ihm überreichte. "Wir brauchen jedoch", so Kaufmann, "viele lebende Käuze für unsere Arbeit." (Ute Bauermeister)


"Mit Lust an Spiel und Sache"

BNN vom 09.10.2007
"Die Käuze" eröffneten 40.Spielzeit mit "Hamlets Rache"

"Schach und Theater haben schon viele Leute in den Wahnsinn getrieben." So kann man es im Programmheft der neuen Inszenierung der "Käuze" lesen, die seit nunmehr 40 Jahren ihren festen Platz in der Karlsruher Theaterszene haben.

Um dieses Jubiläum gebührend zu begehen, wagte man sich zur Eröffnung der neuen Spielzeit an "Hamlets Rache". In der von Jürgen Nola besorgten Neufassung der bekannten Tragödie ist Shakespeares Sprache behutsam modernisiert, ohne anbiedernd zu sein, und die Handlung auf den Haupterzähler reduziert – gewissermaßen auf die Verkehrsknotenpunkte -, während das Übersprungene durch einen Erzähler berichtet wird.

Aber was hat Hamlet mit Schach zu tun? Ganz einfach: In einem Schachspiel wird ein Krieg dargestellt, ein Krieg, den man nur durch überlegene Strategie und kluges Nachdenken gewinnen kann.

In der Regie von Carl Kaufmann ist Hamlet ein Schachspieler, der seine Rache wie ein Kriegsstratege plant und sich am Ende, trotz aller klugen Pläne, mit den eigenen Strategien matt setzt. Dazu korrespondieren die jeweils mit einer kleinen Schachfigur versehenen Kostüme und das sehr harmonische und auf Transparenz bedachte Bühnenbild von Sabine Kowallik-Kaufmann, das wesentlich aus durchsichtigen Trennwänden besteht.

Die Darsteller – sämtlich Amateure und sozusagen Schauspieler aus Neigung – agierten mit großer Lust an Spiel und Sprache, wodurch es ihnen gelang der Tragödie um Mord und Rache eine, wenn nicht heitere, so doch groteske Seite abzugewinnen. Thorsten Feldmann gab einen jugendlichen-agilen Hamlet, den die Rachegelüste für den Mord an seinem Vater in den eigenen Untergang trieb, während Henric Bewerunge und Sabine Kaufmann als Claudius und Gertrud mit aristokratischer Zurückgenommenheit ihrem Ende entgegenstreben, wobei insbesondere Claudius im zweiten Teil an Statur gewinnt.

Ebenso ist Anna Sophia Nübling zu erwähnen, die die Wandlung Ophelias, von der naiven Freundin Hamlets zur in den Selbstmord getriebenen Wahnsinnigen, überzeugend darstellte und damit einen Gegenpol zu ihrem, als eine Marionette von Claudius angelegten, Bruders Laertes (etwas farblos gespielt von Simon Häuser) bildete.

Hinzu kam, dass Regisseur Kaufmann durch eine straffe und übersichtliche Inszenierung keine Langeweile aufkommen ließ. Ausgiebiger Applaus war der Lohn. (Jens Wehn)